Das Friedrich-Flick-Gymnasium (FFG) wurde am 6.11.2008 in Städtisches Gymnasium Kreuztal (SGK) umbenannt, diese Seite wurde seither nicht mehr aktualisiert.

 

Frequently asked Questions (FAQ) - Häufig gestellte Fragen

Zu Friedrich Flick und der Debatte um ein Gymnasium, das seinen Namen trägt, werden viele Fragen gestellt und viele Antworten gegeben. Nachfolgend sollen einige der vielen Fragen beispielhaft beantwortet werden, eine Frage bleibt jedoch unbeantwortet und muss von jedem selbst beantwortet werden: Warum muss eine Schule den Namen von Friedrich Flick tragen?

Wenn die Schule umbenannt wird fließen keine Stiftungsgelder mehr an die Schule zur Anschaffung von Gerätschaften oder Unterstützung von Schülern, wie kann man so etwas verantworten?

Zunächst ist längst nicht geklärt, ob dem tatsächlich so ist. Bei einer Umbenennung kann es ebenso sein, dass das Stiftungskapital der Stadt zufällt. Diese wiederum könnte das Geld im Interesse der Schule verwenden. Ob und wie eine Umbenennung möglich ist und welche (finanziellen) Konsequenzen sich daraus ergeben, ist Thema einer Anfrage der Grünen an den Rat der Stadt Kreuztal. Die Antwort steht noch aus.

Unabhängig davon kommt die Mehrheit der deutschen Schulen ohne zusätzliches Geld aus Stiftungen aus. An vielen Schulen ist es eher üblich, dass Ehemalige und Eltern über jährliche Spendensammlungen die Schule und ihre Schüler unterstützen. Das zeigt: Es gibt Mittel und Wege der Schule zusätzliche finanzielle Einnahmen zu sichern. Den Namen der Schule mit Flick-Geldern zu verknüpfen nährt hingegen eher den Verdacht, dass Flick seinen Namen mit den Spenden tatsächlich rein waschen wollte.

Wer das Friedrich-Flick-Gymnasium umbenennen will, der muss auch sagen, wie man das gespendete Geld zurückbezahlt?

Ist das wirklich so? Zunächst muss man sehen, dass die Spende für die Schule nicht aus Flicks Privatvermögen stammte, sondern aus fünf unterschiedlichen Unternehmen seines Konzerns (Buderus, Feldmühle, Dynamit-Nobel, Maxhütte und Norddeutsche Papierwerke) angewiesen wurde. Teilweise existieren diese Unternehmen nicht mehr, ebenso wie ihr ehemaliger Überbau der Flick-Konzern. Man muss nicht zwangsläufig zu der Entscheidung kommen das damals gespendete Geld diesen fünf Unternehmen bzw. ihren heutigen Nachfolgern zurückzugeben, sondern könnte ebenso gut argumentieren, dass man das Geld von Flick geschädigten Zwangsarbeitern und ihren Nachkommen zu gute kommen lässt. Man kann auch eine dritte Position einnehmen und sagen, Flick hat es geschafft dem Steuerzahler viel Geld abzunehmen und darauf Gewinne erwirtschaftet (siehe Gelsenberg-Affäre) und es als legitim ansehen das gespendete Geld diesen Unternehmen nicht zurückzuzahlen. Egal zu welcher Entscheidung der Schulträger kommt (denn nur der kann entscheiden): Die moralische Frage kann nicht mit einer ökonomischen Frage verknüpft werden, beides muss unabhängig voneinander gelöst werden.

Friedrich Flick war doch ein ehrbarer Mann: Er hat seine Strafe abgessen, danach wieder viel Geld verdient und er hat sogar das großer Verdienstkreuz der Bundesrepublik bekommen!

Ohne jeden Zweifel war Dr. Friedrich Flick ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann, der es geschafft hat gleich zweimal der reichste Mann Deutschlands zu werden. Reichtum macht jedoch noch keinen ehrbaren Menschen aus. Flick hat seine Strafe zwar nicht wirklich abgessen (es war a) ein mildes Urteil und b) waren die Amerikaner auf viele ehemals Systemtreue angewiesen in Industrie oder z.B. auch im juristischen Bereich), was schwerer wiegt ist, dass er die nachgewiesenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit nie zugegeben oder seine Zwangsarbeiter entschädigt hat. Dazu fehlte im die Courage.

Friedrich Flich hat nicht nur im "Dritten Reich" sondern auch in der Zeit davor und danach hat er sein Imperium mit Hilfe von Manipulationen, erpresserischem Druck und Bestechungen aufgebaut (nachzulesen ist das in dem Buch von Kim Christian Priemel). Und trotzdem hat er 1963 das große Verdienstkreuz bekommen. Übrigens: Bundespräsident Theodor Heuss hat sich 1953 geweigert Flick diese Ehre zu erweisen "mangels
Verdiensten"! 10 Jahre später hatte sich Flick wieder etabliert, auch mit Hilfe der Flick-Typischen "politischen Landschaftspflege". Flick war kein Nazi, er war auch nicht der personifizierte Teufel, auch er war zu einem bestimmten Teil ein ganz "normaler" Familienvater, Freund, Mensch und Bürger. In der Gesamtbetrachtung seiner Biographie hat er es nicht verdient, dass man eine Schule nach ihm benennt, möge er auch noch so viel Geld verdient haben.

Warum sollte der Name Friedrich-Flick-Gymnasium etwas über die Qualität der Schule sagen? Hier arbeiten doch nicht lauter Kriegsverbrecher!

Niemand hat behauptet oder wird behaupten, dass der Name der Schule etwas über ihre Qualität oder die Qualität ihrer Absolventen aussagt. Es sind auch die ehemaligen Schüler, die für eine Umbenennung sind, die sich mit ihrer Schule verbunden fühlen und sich auch deshalb noch heute mit ihr beschäftigen. Aber: Mit der Namensgebung einer Schule (oder eines Platzes oder einer Straße oder eines Fußballstadions) möchte man eine Person in guter Erinnerung halten, ihr ein ehrendes Gedenken bewahren. Das kann in Bezug auf Flick doch wohl niemand wirklich wollen. Frau Mormann (eine Lehrerin der Schule) hat das in dem Radiobeitrag von Thilo Schmidt ebenfalls sehr schön ausgedrückt.

Warum muss man mehr als 60 Jahre nach Kriegsende und nach fast 40 Jahren Friedrich-Flick-Gymnasium noch über Krieg, Kriegsverbrechen und die deutsche Geschichte diskutieren? Kann man die Vergangenheit nicht ruhen lassen?

"Ich bin zutiefst davon überzeugt: Nur wenn sich Deutschland zu seiner immerwährenden Verantwortung für die moralische Katastrophe in der deutschen Geschichte bekennt, können wir die Zukunft menschlich gestalten. Oder anders gesagt: Menschlichkeit erwächst aus der Verantwortung für die Vergangenheit. [...] Ja, es ist wahr: Orte des Gedenkens sind wichtig, Orte wie das Holocaust-Mahnmal in Berlin oder Yad Vashem. Sie halten die Erinnerung wach. Aber wahr ist auch: Orte allein reichen noch nicht aus, wenn Erinnerung Geschichte wird. Erinnerung muss sich immer wieder neu bewähren. Aus Gedanken müssen Worte werden und aus Worten Taten" (Dr. Angela Merkel in ihrer Rede vor der Knesset in Jerusalem).

Sollten ehemalige Schüler nicht dankbar auf ihre Schule blicken, anstatt sich für eine Umbenennung einzusetzen?

Es gibt eine Unmenge von Gründen stolz und dankbar auf seine "alte" Schule zu blicken. Und gerade weil man sich dieser Schule immer noch verbunden oder ihr gegenüber verantwortlich fühlt gilt es, sich zu ihren Gunsten einzusetzen. Dankbarkeit und kritische Auseinandersetzung sind kein Widerspruch.

Warum können Sie die Vergangenheit nicht ruhen lassen?

Die Vergangenheit lebt fort u. a. indem man sich an Personen der Zeitgeschichte erinnert und sich mit ihnen beschäftigt. Im Fall Flick hat man ihm mit der Benennung einer Schule nach ihm sogar ein ehrendes Andenken zuteil kommen lassen wollen. Mit dem Namen der Schule wird also die Vergangenheit immer wieder in die Gegenwart geholt. Es ist also folgerichtig sich immer wieder dann mit Flick kritisch zu beschäftigen, wenn dieser Name in Erscheinung tritt. Im Fall des Friedrich-Flick-Gymnasiums jeden Morgen beim Betreten der Schule.

Warum betonen Sie immer nur die negativen Seiten von Friedrich Flick?

Man wird auf dieser Seite tatsächlich mehr negatives als positives über Flick hören, sehen und lesen können. Ohne jeden Zweifel war Friedrich Flick ein Mensch, der es verstanden hat, taktisch geschickt, mit Mut und einigem Glück einen enormen Reichtum anzuhäufen. Niemand wird darüber hinaus behaupten, dass Flick kein intelligenter Mensch war. Die Frage, die sich stellt ist, wie viel Positives man aufzählen muss, bis die negativen Machenschaften von Flick an Bedeutung verlieren und man vollends sagen kann: Jawohl! Flick ist ein wahrhaftiges Vorbild! In der Gesamtschau der Flick'schen Biografie kommt man zu dem Schluss, dass diese Biografie nicht dazu taugt, unseren Kindern und Enkeln ein Vorbild zu bieten.

Umbenennen und dann nie wieder darüber reden? Das kann es doch nicht sein!

Ja das stimmt. Eine Umbenennung des Friedrich-Flick-Gymnasiums um dann nie wieder über dieses Thema zu reden ist keine gute Lösung. Wahrscheinlich würden dann in 10 oder 30 Jahren Schüler entdecken wie ihre Schule früher mal hieß und fragen: Warum hat uns das keiner gesagt!? Die Umbenennung der Schule kann nur ein erster Schritt sein. Eine ordentliche und kritische Erinnerungskultur ist von Nöten: Warum keine Tafel vor der Schule, die über Flick aufklärt? Warum nicht alle zwei Jahre eine Veranstaltung der Schule zum Thema? Warum keine Information auf Internetseiten von Stadt und Schule? Warum keine künstlerische Herangehensweise an das Thema? Eine solche kritische Auseinandersetzung mit dem Stifter Friedrich-Flick ist mit einer Umbenennung selbstverständlich noch nicht vom Tisch.