„Flick-Gymnasium“ geht auf Tournee

Bundespräsident Wulff eröffnet Zwangsarbeiterausstellung in Berlin

Dieses Kapitel ist bisher nicht zureichend aufgearbeitet gewesen.

Die Zwangsarbeit in deutschen Unternehmen, auf deutschen Bauernhöfen,

wo viele Millionen zu Tode gekommen sind, Hunderttausende Opfer

geworden sind, und wo die große Aufgabe ist, diese Zeit an junge

Menschen in der Verantwortung für Deutschland weiter zu geben.

Bundespräsident Christian Wulff in der Tagesschau vom 27.9.2010

 


Ausstellungsplakat
Ausstellungsplakat

Zweifelhafte Ehre für das ehemalige Friedrich-Flick-Gymnasium (heute: Städtisches Gymnasium) in Kreuztal. Seine Namensgebung ist Teil einer Wanderausstellung, die am Montagabend von Bundespräsident Christian Wulff eröffnet wurde. Flick, gebürtiger Kreuztaler, war in Nürnberg als Kriegsverbrecher verurteilt worden, erst 2008 wurde das nach ihm benannte Gymnasium nach jahrzehntelanger Diskussion umbenannt.

Die Ausstellung „Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg“ erzählt erstmals die gesamte Geschichte der Verbrechen der Zwangsarbeit und ihrer Folgen nach 1945. Über 20 Millionen Männer, Frauen und Kinder aus fast allen Ländern Europas wurden als „Fremdarbeiter“, Kriegsgefangene oder KZ-Häftlinge in das nationalsozialistische Deutschland verschleppt oder mussten in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten Zwangsarbeit leisten. Spätestens seit 1942 gehörten Zwangsarbeiter zum Alltag im nationalsozialistischen Deutschland. Die aus allen Teilen Europas, vor allem aus den östlichen Ländern, deportierten Arbeitskräfte wurden überall eingesetzt: in Rüstungsbetrieben, wie Friedrich Flick sie betrieb, ebenso wie auf Baustellen, in der Landwirtschaft, im Handwerk, in öffentlichen Einrichtungen und in Privathaushalten. Ob als Besatzungssoldat in Polen oder als Bäuerin in Thüringen – alle Deutschen begegneten Zwangsarbeitern, viele profitierten davon. Zwangsarbeit war kein Geheimnis, sie war ein weitgehend öffentlich stattfindendes Verbrechen.

Am Ende der Ausstellung werden gelungene und misslungene Beispiele für den Umgang mit den Verbrechen des Nationalsozialismus gezeigt, in diesem Rahmen wird das ehemalige Flick-Gymnasium und der Streit darum präsentiert. Die Stiftungsurkunde des Gymnasiums wird gezeigt, ebenso wie Auszüge des Internet-Gästebuchs der Bürgerinitiative Flick-ist-kein-Vorbild.de, die zur Umbenennung der Schule beitragen hatte. Auch das pädagogische Begleitmaterial spart den Kreuztaler Namensstreit nicht aus, kostenlos erhältliche Unterrichtsarbeitsblätter sollen das Thema für Schüler verständlich aufarbeiten und zur Diskussion über den „Kreuztaler-Fall“ anregen.

Die Ausstellung führt den Besuchern vor Augen, dass auch heute noch Aufklärung nötig ist, weil viele Menschen sich noch immer weigern, die Täter als solche zu benennen. Dr. Oliver Hirsch, ehem. Schüler des „Flick-Gymnasiums“ und Mitinitiator der Bürgerinitiative, folgte der Einladung zur Ausstellungseröffnung, „Durch die Anerkennung des Unrechts wird den Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern ihre verlorene Ehre zurück gegeben.“ Kuratiert wurde sie von der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, initiiert und gefördert von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft.“ Schirmherr der Ausstellung ist Bundespräsident Christian Wulff, der bei der Eröffnung erklärte: „Diese Ausstellung ist für Deutschland von herausragender Bedeutung“.

Erste Station der internationalen Ausstellungstournee ist das Jüdische Museum Berlin, hier wird sie bis Ende Januar 2011 zu sehen sein, weitere Stationen in europäischen Hauptstädten sowie www.ausstellung-www.ausstellung-zwangsarbeit.de Nordamerika sind geplant. Auch die Stiftungsurkunde des Gymnasiums und die Dokumentation des Namensstreits werden mit auf Welttournee gehen.

 

Homepage der Aussstellung:

www.ausstellung-zwangsarbeit.de


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